Bund der Selbständigen
Sillenbuch • Heumaden • Riedenberg e.V.
Bericht über die Hauptversammlung 2003
WILIH 4.11.2003
Über den Nutzen zum Gewinn
Sillenbuch • Der Gewinn als unternehmerisches Oberziel hat ausgedient. Er sollte vielmehr die Folge des Strebens nach der Vermittlung von Kundennutzen sein. Mit diesen Empfehlungen plädierte der Sillenbucher BDS-Vorsitzende für wertorientierte Unternehmensführung.
Vor zwei Jahren übernahm Jürgen Gehrung, Gärtnereichef aus Heumaden, den Sillenbucher Bund der Selbständigen (BDS) in einer kritischen Phase. Jetzt ist die Unternehmervereinigung stabiler denn je. Ein vollbesetzter Vortragssaal bei der Jahreshauptversammlung am 28. Oktober in der Sillenbucher VR-Bank zeugte davon, dass die örtlichen Selbstständigen ihren BDS als „wert”voll ansehen. Deshalb passte der Vortrag, den der charismatische BDS-Vorsitzende vor den Mitgliedern hielt, gut zu der Entwicklung, die die mittelständisch geprägte Vereinigung genommen hat: „Leistung wird zum Wert, wenn sie verkauft ist.”

Discount und Shopping, oben und unten

Im Land mit der größten Einkaufsfläche pro Einwohner seien die Verbraucher auf Niedrigpreise konditioniert, meinte Jürgen Gehrung. Doch dies sei nur die eine Seite der Medaille: Die andere Hälfte des Einkaufens sei „Shopping” – die Suche nach Gefühlen und Lebensfreude. Sicher eine Chance für Fachbetriebe, die persönliche Bedienung und Beratung groß schreiben. Doch Vorsicht! Gerade in Zeiten knapper Haushaltsbudgets werde jede unternehmerische Leistung kritisch auf ihren Problemlösungsbeitrag hin bewertet. Auf den Nutzen komme es an. Auf den „bestimmbaren Vorteil”, den der Kunde für sich erkenne. Nicht immer eine leichte Aufgabe, warnte der BDS-Vorsitzende. Leistung müsse mehr denn je „erkämpft” werden.
Das Bemühen um Qualität müsse „an jeder Schnittstelle im Unternehmen” im Vordergrund stehen, nicht bloß „vorne beim Kunden”. Innovation und Qualitätssteigerung sei der beste Weg zur Steigerung von Umsatz, Gewinn, Liquidität und Marktstellung. Früher, so Jürgen Gehrung, hätten sich die Märkte pyramidenförmig darstellen lassen: viel Billigware unten, wenig qualitativ Hochwertiges in der Spitze. Dies habe sich grundlegend gewandelt. Heute hielten sich „Oben” und „Unten” nahezu die Waage. Wer sich mit seinem Angebot dazwischen im dünnen „Mittelfeld” befinde, müsse sich entscheiden: Orientieren wir uns nach oben oder nach unten? Da Mittelständler in aller Regel nicht die billigsten sein könnten, bliebe ihnen nur eine Wahl: Profilierung durch höhere Leistungen!

Gewinnmaximierung überholt, Nutzen zählt

Diese Entscheidungssituation führte Jürgen Gehrung zum Thema „Ziele”. Provokativ fragte er in die Runde: „Haben Sie ein Zielfoto, wo sie in zehn Jahren mit ihrem Unternehmen sein wollen?” Nach der reinen Betriebswirtschaftslehre gelte die Gewinnmaximierung immer noch als das unternehmerische Oberziel. Eine überholte Sichtweise, meint Gehrung. Die Forderung nach anderen Zielen werde in unserer Gesellschaft immer lauter. Unstreitig müsse Gewinn sein, aber auf die Priorität der Ziele käme es an. Gewinnmaximierung berge als Ziel die Gefahr in sich, dass Interessengegensätze aufgebaut und vergrößert werden können. Im Gegensatz dazu diene das Ziel „Nutzenmaximierung” einer Verringerung von Interessenkonflikten. „Das Denken in Nutzen statt in Gewinnmaximierung führt uns zwangsläufig in die Köpfe unserer Kunden”, forderte der BDS-Chef eine Umkehr im unternehmerischen Denken.
Jürgen Gehrung führte sich selbst und sein Unternehmen als Beispiel für seine Thesen an. Vor 15 Jahren hätten sie ihre Ziele in Richtung „Nutzenmaximierung” neu definiert. „Das hat Druck von uns genommen”. Doch stehe man noch am Anfang des Weges, beschrieb Gehrung den Prozess als dynamisch, das Ende als offen. Wichtig sei, dass man wandlungsfähig sei und neue Entwicklungen spüre.

Nicht Größe entscheidet, sondern das Ziel

Wie wird Leistung zum Wert? Durch zielgruppengerechte Angebote, das Streben nach Einzigartigkeit und Steigerung der Anziehungskraft. Je höher der Nutzen für den Kunden sei, um so stärker steige die Nachfrage nach dem Angebot. Dies führe zu höherer Produktivität und – in der Folge – zu höherem Unternehmensgewinn. Irgendwann käme die Notwendigkeit nach „gesundem inneren Wachstum” hinzu, verglich Gärtner Gehrung das Wachstum eines Unternehmens mit dem eines Baumes. Auch der könne nicht unendlich nur in die Höhe wachsen. Bei alledem sei nicht die Unternehmensgröße entscheidend, sondern die Zielsetzung – Zielkorrekturen nicht ausgeschlossen. Nachhaltig müsse der Erfolg sein, dann habe der Kundennutzen auch einen Wert für das Unternehmen. • mk

Vorstand im Amt bestätigt
BDS als „Zukunftswerkstatt”
SillenbuchDie Mitglieder des Sillenbucher Bundes der Selbständigen (BDS) sind mit der Arbeit ihres Vorstands zufrieden. En bloc und einstimmig wurden alle Amtsinhaber am 28. Oktober in ihren Ämtern bestätigt.
In den vergangenen Monaten hat der BDS Sillenbuch intensiv an einer Konzeption für ein Stadtteilmarketing mitgearbeitet. BDS-Chef Jürgen Gehrung sieht in dieser Mitwirkung eine der wichtigsten Aufgaben seines Verbandes in der näheren Zukunft. „Es geht um Oberziele”, meinte er auf der Hauptversammlung am 28. Oktober in Sillenbuch. Um mehr als Parkplätze oder noch einen verkaufsoffenen Sonntag, um ein „strategisches Gesamtkonzept”.

Leistungsschau mal ganz anders?

Die Selbstständigen und Unternehmer des Stadtbezirks wollten sich intensiv an der Diskussion um möglichst gute Lebensbedingungen für die Bürger beteiligen. Jürgen Gehrungs Vision: der BDS als „Zukunftswerkstatt”. In diesem Zusammenhang will sich der BDS im Frühjahr 2004 mit Vorständen der örtlichen Vereine zusammensetzen und sich mit dem Thema Kommunalentwicklung beschäftigen. Für 2005 denke man im BDS an eine „vielleicht ganz andere” Leistungsschau. Als Vorbild diene die Präsentation der Obertürkheimer und Uhlbacher Unternehmen in diesem Sommer. Dort kamen die Unternehmen nicht, wie üblich, in einer Halle zu einer zentralen Ausstellung zusammen, sondern holten die Kunden mit Shuttle-Bussen zu sich in den Betrieb. Gelänge etwas vergleichbares in Sillenbuch, dann könnte dies „ein toller Tag für den Stadtbezirk” werden, hofft Gehrung.
Auch die BDS-Unterorganisation „Sillenbucher Meile” blickte auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Die Zeit zu managen, sei ein wichtiges Handlungsprinzip in der „Meile” geworden, berichtete deren Vorsitzende Martha Wais. Durch projektweise tätige Arbeitsgruppen konnten die Erfolgsveranstaltungen „Weihnachtsmarkt” und „Sommerfest”, die Einführung einer Kundenkarte, der Internet-Auftritt (www. feinkaufen.de), Verschönerungsaktionen an der Kirchheimer Straße oder eine große Kundenumfrage bestens gemeistert werden. Auch auf dem Weg zu einheitlichen Öffnungszeiten komme man voran, zeigte sich Wais optimistisch.

Erinnerung an Dr. Albrecht Hermann

Bei den Vorstandswahlen gab es nur einstimmige Voten. In ihren Ämtern bestätigt wurden für die kommenden zwei Jahre Jürgen Gehrung als 1. Vorsitzender, Martha Wais als seine Stellvertreterin, Thomas Schöpfer (Schriftführer) und Gerhard Stöhr (Kassier). Der Ausschuss besteht aus Sibylle Zaiser, Richard Herrmann, Joachim Schöpfer, Wolfgang Sinn und Herbert Stitz. Die BDS-Mitglieder erinnerten sich noch einmal in stillem Gedenken an ihr bisheriges Ausschussmitglied und ihren langjährigen Vorsitzenden Dr. Albrecht Hermann, der im Sommer in Ausübung seines Lieblingssports überraschend verstorben war. • mk

Die Führungsriege des BDS Sillenbuch (v.l.n.r.):
Wolfgang Sinn,
Thomas Schöpfer,
Martha Wais,
Jürgen Gehrung,
Gerhard Stöhr,
Sibylle Zaiser,
Herbert Stitz.
Auf dem Foto fehlen Richard Herrmann und Joachim Schöpfer.
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